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Das gefangene Wort

· Messe des Papstes in Santa Marta ·

Demut und Gebet stellen innerhalb der Kirche das wirksame Mittel gegen die Verfälschungen von Gottes Wort und die Versuchung dar, sich seiner zu bemächtigen, indem man es nach eigenem Gutdünken interpretiert und den Heiligen Geist in einen Käfig sperrt. So lautet zusammengefasst die Meditation des Papstes, die er während der Messe am Freitag, 21. März, in der Kapelle des Hauses Santa Marta vortrug.

Gerade »in diesen Tagen der Fastenzeit kommt der Herr uns näher, und die Kirche geleitet uns zum Triduum Sacrum, zum Tod und der Auferstehung Jesu«, sagte der Papst unter Verweis auf die beiden Schriftlesungen. In der dem Buch Genesis (37, 3-4.12-13.17-28) entnommenen ersten Schriftlesung wird die »Josephsgeschichte« berichtet, »die eine Prophezeiung und ein Bild Jesu ist: er wurde von seinen Brüdern um zwanzig Silberstücke verkauft«. Und dann präsentiert das Matthäusevangelium (21, 33-43.45) »dieses Gleichnis, das Jesus selbst dem Volk und den Pharisäern, den Priestern, den Ältesten des Volks erzählt, um ihnen verständlich zu machen, wo sie zu Fall gekommen sind«. Er erläuterte: Wir haben es mit »der Tragödie nicht des Volkes – denn das Volk verstand, dass Jesus ein großer Prophet war –, sondern einiger Oberhäupter des Volkes, einiger Priester jenes Tempels, der Schriftgelehrten, der Ältesten zu tun, die nicht offenen Herzens das Wort Gottes hörten«. Tatsächlich hätten sie »Jesus gehört, aber statt in ihm Gottes Verheißung zu sehen, oder ihn aber als einen großen Propheten zu erkennen, hatten sie Angst.«

Im Grunde, so merkte der Papst an, handle es sich dabei »um dasselbe, was Herodes gespürt hat«. Auch sie sagten: »Dieser Mann ist ein Revolutionär, gebieten wir ihm rechtzeitig Einhalt, wir müssen ihn stoppen!« Deshalb »versuchten sie ihn zu fangen, versuchten, ihn auf die Probe zu stellen, damit er falle und sie ihn fangen könnten: das ist die Verfolgung Jesu«. Aber was ist der Grund für diese Verfolgung? »Sie erfolgte«, so antwortete der Papst, »weil diese Leute nicht offen waren für das Wort Gottes, sie hatten sich in ihrem Egoismus verschanzt.«

Und gerade in diesem Kontext »erzählt Jesus dieses Gleichnis: Gott hinterließ ein Stück Land mit einem Weinberg, den er mit eigenen Händen angelegt hatte.« In der Tat stehe im Evangelium zu lesen, dass der Besitzer »einen Weinberg anlegte, ringsherum einen Zaun zog, eine Kelter aushob und einen Turm baute«. Das seien alles Dinge, die »er getan hat, mit sehr viel Liebe«. Und dann habe er »den Weinberg an Winzer verpachtet«.

Das sei genau dasselbe, was »Gott mit uns getan hat: er hat uns das Leben verpachtet« und mit diesem zusammen »die Verheißung«, dass er kommen würde, um uns zu erlösen. »Diese Leute hingegen«, so merkte Papst Franziskus an, »sahen da ein schönes Unternehmen, ein gutes Geschäft: Der Weinberg ist schön, nehmen wir ihn, er gehört uns!« Und so sei es geschehen, dass »als die Zeit kam, die Früchte zu ernten, die Knechte dieses Herrn ausgeschickt wurden, um die Ernte abzuholen. Aber die Winzer, die sich bereits des Weinbergs bemächtigt hatten, hätten nein gesagt: nein, verjagen wir sie, das gehört uns! «

Das Gleichnis Jesu, so erläuterte er, berichtet ganz genau »die Tragödie dieser Leute, aber auch unsere eigene Tragödie«. In der Tat hätten sich diese Leute »des Wortes Gottes bemächtigt. Und das Wort Gottes wird zu ihrem Wort. Ein Wort im Dienste ihrer Interessen, ihrer Ideologien, ihrer Theologien, in ihrem Dienste«. Das gehe so weit, dass »jeder es nach eigenem Belieben interpretiert, dem eigenen Interesse gemäß auslegt.« Und »sie töten, um das zu bewahren«. Das sei das, was auch Jesus widerfahren sei, denn die »Hohenpriester und die Pharisäer verstanden, dass er über sie sprach, als sie dieses Gleichnis hörten«, und so »versuchten sie, ihn zu fangen und zu Tode zu bringen«.

Aber auf diese Weise »stirbt das Wort Gottes, wird es gefangen«. Und »der Heilige Geist wird in den Wünschen eines jeden dieser Leute gefangen. Dasselbe widerfährt uns, wenn wir nicht offen sind für die Neuheit des Wortes Gottes, wenn wir dem Wort Gottes nicht gehorchen«. Aber Gottes Wort nicht zu gehorchen ist so, als wolle man bekräftigen, dass »dieses Wort nicht mehr Gottes Wort ist: jetzt gehört es uns!«

So, wie »das Wort Gottes im Herzen dieser Leute gestorben ist, so kann es auch in unserem Herzen sterben«. Und doch, so bekräftigte der Heilige Vater, »endet« das Wort »nicht, weil es lebendig bleibt im Herzen der einfachen Menschen, der Demütigen, in dem des Volkes Gottes«. Tatsächlich hatten die, die versuchten, Jesus zu fangen, Angst vor dem Volk, das ihn für einen Propheten hielt. Es war »die einfache Volksmenge, die Jesus nachfolgte, weil Jesus das, was er sagte, gut tat und das Herz erwärmte.« Diese Leute »bedienten sich des Wortes Gottes nicht zu ihrem eigenen Interesse«, sondern »sie hörten« schlicht und einfach »und versuchten, ein wenig besser zu werden«.

An diesem Punkt regte der Papst an, darüber nachzudenken, »was wir tun können, um das Wort Gottes nicht zu töten, um uns dieses Wortes nicht zu bemächtigen, um folgsam zu sein, um den Heiligen Geist nicht einzusperren«. Und er wies zwei einfache Wege auf: den der Demut und den des Gebets.

»Diese Leute« seien mit Sicherheit nicht demütig gewesen, so bemerkte er, »die das Wort Gottes nicht annahmen, sondern sagten: Ja, das ist das Wort Gottes, aber ich lege es in meinem eigenen Interesse aus!« Durch diese Vorgehensweise »waren sie hochmütig, sie waren zureichend, sie waren die ›Gelehrten‹ in Anführungszeichen«: Leute, die »dachten, sie verfügten über alle Macht, die Bedeutung des Wortes Gottes zu ändern«. Dagegen »haben nur die Demütigen ein Herz, das angetan ist, das Wort Gottes aufzunehmen«. Man müsse aber präzisieren, so betonte er, dass »es auch gute und demütige Priester gab, demütige Pharisäer, die das Wort Gottes gut aufgenommen hatten: so berichten uns die Evangelien etwa über Nikodemus.« Also sei »die erste Verhaltensweise, um das Wort Gottes zu vernehmen« die Demut, denn »ohne Demut kann man das Wort Gottes nicht empfangen«. Und die zweite Verhaltensweise ist das Gebet. Die Menschen, über die in dem Gleichnis die Rede ist, »beteten« in der Tat »nicht, sie bedurften des Gebets nicht: sie fühlten sich sicher, sie fühlten sich stark, sie hielten sich für Götter«.

Also »kommen wir mit der Demut und mit dem Gebet darin voran, das Wort Gottes zu hören und ihm in der Kirche zu gehorchen«. Und »dann wird uns nicht das widerfahren, was jenen Leuten widerfahren ist: wir töten nicht, um dieses Wort zu verteidigen, von dem wir glauben, dass es das Wort Gottes sei«, das hingegen zu »einem völlig von uns abgeänderten Wort geworden ist«.

Zum Schluss bat der Papst »den Herrn um die Gnade der Demut, um die Gnade, in Jesus den Erlöser zu sehen, der zu uns spricht: Sprich zu mir! Ein jeder von uns muss sagen: Sprich zu mir!« Und »wenn wir das Evangelium lesen: Sprich zu mir!« Das führe zu der Einladung, »das Herz dem Heiligen Geist zu öffnen, der diesem Wort Kraft verleiht« und zu »beten, viel zu beten, damit wir die Fügsamkeit haben, dieses Wort zu empfangen und ihm zu gehorchen.«

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14. Dezember 2019

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