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Das Ärgernis der Unkohärenz

· Messe in Santa Marta ·

Unkohärente Christen erregen Ärgernis, da sie vor denen, die nicht glauben, ein negatives Zeugnis ablegen. Jesus bedient sich zum Thema der Kohärenz sehr starker Ausdrücke, so dass jemand, der sie vernimmt, sogar sagen könnte: »Aber das sind die Worte eines Kommunisten«. Nein, in Wirklichkeit »ist es das Wort Gottes!«

Papst Franziskus widmete die Predigt, die er heute früh, Donnerstag, 27. Februar, während der Messe in der Kapelle des Hauses Santa Marta hielt, eben dem Thema der christlichen Kohärenz, das angeregt wurde durch die Spendung des Sakraments der Firmung. »Christ sein«, so klärte der Papst von vorneweg, »heißt Zeugnis für Jesus Christus ablegen«. In der Tat »ist der Christ der Mensch – Mann oder Frau –, der Zeugnis für Jesus Christus ablegt«.

Der Papst entwarf dann das geistliche Profil des Christen, wobei er gerade auf die Kohärenz als das zentrale Element hinwies. In allen Dingen des Lebens, so sagte er, müsse man »als ein Christ denken; als ein Christ fühlen und handeln wie ein Christ«. Das sei »die Kohärenz des Lebens eines Christen, der« die Gegenwart des Herrn »durch sein Handeln, durch sein Fühlen, durch seine Gedanken« anerkennt.

Der Papst warnte auch vor der Tatsache, dass »wenn eine von diesen« Eigenschaften »fehlt«, »der Christ fehlt«. Im Übrigen »kann einer auch sagen: ich bin ein Christ!« Aber »wenn du nicht lebst wie ein Christ; wenn du nicht handelst wie ein Christ; wenn du nicht denkst wie ein Christ und nicht fühlst wie ein Christ, dann stimmt etwas nicht. Da liegt ein gewisser Mangel an Kohärenz vor!« Wir Christen, so warnte der Papst, »sind alle dazu aufgerufen, für Jesus Christus Zeugnis abzulegen«. Und die Christen, die hingegen »als Normalzustand für gewöhnlich unkohärent leben, tun schlecht daran«.

Der heilige Apostel Jakobus spricht in dem Brief, der in der heutigen Messe verlesen wurde (5, 1-6) ausdrücklich über sie, als er ganz direkt »einige Unkohärente« kritisiert, »die sich rühmten, Christen zu sein, die aber ihre Arbeiter ausbeuteten«. Der heilige Jakobus schreibt: »Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere«.

»Der Herr ist stark!«, kommentierte der Papst, nachdem er den Text des heiligen Jakobus erneut verlesen hatte. So stark, dass »wenn einer« diese Worte »hört, er denken könnte: das hat ein Kommunist gesagt! Nein, nein«, so präzisierte der Papst, »das hat der Apostel Jakobus gesagt: es ist das Wort des Herrn!« Das Problem sei also »die mangelnde Kohärenz« und »die Christen, die nicht kohärent sind, erregen Ärgernis«.

Jesus, so erinnerte der Papst in Anspielung auf die heutige Schriftlesung aus dem Markusevangelium (9, 41-50), spricht heftige Worte gegen dieses Ärgernis und »sagt: ›Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt‹ – auch nur einen einzigen von diesen Brüdern, Schwestern, die glauben – ›für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.‹«. Wirklich, erläuterte der Papst, »ein unkohärenter Christ richtet großen Schaden an«, und das starke Bild, dessen Jesus sich bediene, sei sehr deutlich. Daher, so fuhr er fort, »beschreitet das Leben des Christen den Weg der Kohärenz«, aber man müsse auch »die Versuchung, unkohärent zu sein und großes Ärgernis zu erregen« in Rechnung stellen. »Und das Ärgernis tötet!«

Die Folgen seien für jedermann ersichtlich. Es sei allen Christen schon einmal passiert, so kommentierte der Papst, sich anhören zu müssen: »Ich glaube an Gott, aber nicht an die Kirche, denn ihr Christen sagt eines und tut dann ein anderes!« Das seien Worte, »die wir alle schon haben sagen hören: ich glaube an Gott, aber nicht an euch!« Und das geschehe eben »aufgrund der mangelnden Kohärenz« der Christen, so erläuterte der Papst.

Die beiden heutigen Lesungen, so bekräftigte er, helfen uns, »für die Kohärenz der Christen zu beten, dafür, dass man handelt, fühlt und denkt wie Christen«. Und »um in christlicher Kohärenz zu leben«, so ermahnte er, »ist das Gebet nötig, denn die christliche Kohärenz ist ein Geschenk Gottes«. Sie ist ein Geschenk, um das zu bitten wir uns zwingen müssen, indem wir sagen: »Herr, gib, dass ich kohärent sei! Herr, gib, das ich nie ein Ärgernis errege! Gib, dass ich ein Mensch sei, der denkt wie ein Christ, der fühlt wie ein Christ, der handelt wie ein Christ!« Und »das«, so sagte der Papst, »ist das heutige Gebet für uns alle: wir brauchen Kohärenz!«

Bedeutsam war dann auch das praktische Beispiel, das er geben wollte: »Wenn du mit einem Atheisten zu tun hast, der zu dir sagt, dass er nicht an Gott glaubt, dann kannst du ihm eine ganze Bibliothek vorlesen, in der gesagt wird, dass es Gott gibt, und wo auch bewiesen wird, dass es Gott gibt, und er wird doch nicht glauben«. Aber, so fuhr der Papst fort, »wenn du vor diesem Atheisten Zeugnis für Kohärenz ablegst, für ein christliches Leben, dann wird in seinem Herzen etwas anfangen zu wirken«. Und »es wird dann gerade die Zeugnis sein, das ihn in die Unruhe versetzen wird, auf die der Heilige Geist einwirkt«.

Papst Franziskus erinnerte daran, dass wir den Herrn um »die Gnade, kohärent zu sein« bitten müssen, »wir alle, die ganze Kirche«. Indem wir bekennen, dass wir Sünder, schwache und inkohärente Menschen sind, die aber stets dazu bereit sind, den Herrn um Vergebung zu bitten und dass Gott es nie müde wird, zu vergeben«. Es sei also wichtig, so mahnte der Papst, »die Demut zu besitzen, um Verzeihung zu bitten«, wenn wir nicht kohärent gewesen sind.

Im Grunde handle es sich darum, »im Leben mit christlicher Kohärenz voranzugehen«, indem wir Zeugnis dafür ablegen, dass wir an Jesus Christus glauben und uns dessen bewusst seien, Sünder zu sein. Aber mit »dem Mut, dann, wenn wir Fehler machen, um Verzeihung zu bitten« und »sehr große Angst davor haben, Ärgernis zu erregen«. Und »der Herr«, so wünschte der Papst abschließend, »möge uns allen diese Gnade gewähren«.

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8. Dezember 2019

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