Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Das allzu lange Jahrhundert

· Der Papst und das Ende des 20. Jahrhunderts ·

»Es gibt Menschen, die sich bei Flaute aufs Meer begeben und es überqueren. Das machen sie, aber sie überqueren es nicht. Das Meer ist keine Oberfläche. Es ist Abgrund, vom Meeresspiegel bis hinab in die Tiefe.

Wenn du das Meer durchqueren willst, dann erleidest du Schiffbruch«, so zitiert Giancarlo Ricci, Journalist und Psychologe, Meister Eckhart, um sein jüngstes Buch, L’atto, la storia. Benedetto XVI, Papa Francesco e la fine del Novecento (übers. »Der Akt, die Geschichte. Benedikt XVI., Papst Franziskus und das Ende des 20. Jahrhunderts«, Cinisello Balsamo, Verlag San Paolo, 2013, 92 S., EUR 9) einzuleiten, in dem er von seinem privilegierten Standort des Psychotherapeuten aus das Schwindelgefühl unserer Zeit untersucht, dem es Mühe zu bereiten scheint, konkrete Zukunftspläne zu schmieden. Mit einem Blick, der im Vorbeiflug das derzeitige Unbehagen einer ganzen Zivilisation überschaut und deren Abdriften, Paradoxe und die Grenzen, von denen es kein Zurück mehr gibt, anzeigt. Ironisch, mitunter sarkastisch, stets voll authentischen Schmerzes. Die unsere ist eine seltsame Zeit, eine Zeit, in der der Mensch, um nicht zugeben zu müssen, dass er Angst davor hat, einen Sprung zu wagen, nicht mehr ins Meer hinunterschaut. Riccis Analyse zufolge, die den langen Atem eines Braudel hat, endete das 20. Jahrhundert keineswegs mit dem Fall der Berliner Mauer noch mit dem Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Center, denn »im Alltagsleben stürzte auch weiterhin etwas ein und erzeugte Trümmer und Wracks. Vielmehr zog die Entscheidung Benedikts XVI., auf das päpstliche Amt zu verzichten und damit etwas in der Kirchengeschichte noch nie Dagewesenes zu tun, einen Schlussstrich unter das vergangene Jahrhundert. Dieser Akt hat einen Punkt gesetzt, ein Siegel aufgeprägt: was in der Zukunft geschieht, kann nicht mehr mit Hilfe der üblichen Muster interpretiert werden, an die wir gewöhnt sind. Und den Gesten von Papst Franziskus können wir bereits entnehmen, wie die Zukunft sein wird.«

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

26. August 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN