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Christen, die sich zu erniedrigen wissen

· Messe in Santa Marta ·

Bereiten, erkennen, kleiner werden: In diesen drei Verben ist die geistliche Erfahrung des heiligen Johannes des Täufers enthalten, der dem Kommen des Messias vorausgegangen ist und dem Volk Israel »die Taufe der Umkehr verkündigte«. Papst Franziskus hat in der Frühmesse am Dienstag, dem 24. Juni, Hochfest der Geburt des Vorläufers, dieses Trinom als Paradigma der Berufung eines jeden Christen dargelegt, indem er es in drei Worten zusammenfasste, die die Haltung des Täufers gegenüber Jesus zum Ausdruck bringen: »Nach mir, mir voraus, fern von mir«.

Die Tätigkeit des Johannes bestand vor allem darin »vorzubereiten, ohne etwas für sich zu nehmen«. Er war, so der Papst, »ein wichtiger Mann: Die Menschen suchten ihn auf, folgten ihm«, denn seine Worte »waren stark«, wie ein »scharfes Schwert«, wie Jesaja (49,2) es ausdrückt. Der Täufer »erreichte das Herz« der Menschen. Und wenn er »vielleicht in Versuchung stand zu glauben, er sei wichtig, so gab er ihr nicht nach«, wie die Antwort zeigt, die er den Gelehrten gab, die ihn fragten, ob er der Messias sei. Er sagte: »Ich bin die Stimme, nur die Stimme, die in der Wüste ruft. Ich bin nur die Stimme, aber ich bin gekommen, um dem Herrn den Weg zu bereiten«. Seine erste Aufgabe besteht also darin, »das Herz des Volkes für die Begegnung mit dem Herrn zu bereiten«.

Wer aber ist der Herr? In der Antwort auf diese Frage liegt »die zweite Berufung des Johannes: unter vielen guten Menschen zu erkennen, wer der Herr ist«. »Der Heilige Geist«, so der Papst, »hat es ihm offenbart«. So »hatte er den Mut zu sagen: ›Er ist es. Er ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt‹«. Während »Johannes bei der Bereitung sagte: ›Nach mir kommt einer...‹, so sagte er im Erkennen, als er den Herrn erkennt und auf ihn hinweist: ›Dieser... ist mir voraus‹«.

Hier kommt »die dritte Berufung des Johannes« hinzu: »kleiner werden«. Denn, so rief der Bischof von Rom in Erinnerung, genau »von diesem Augenblick an begann sein Leben niedriger, kleiner zu werden, damit der Herr wachsen kann, bis er selbst verschwindet«. Das war, so Papst Franziskus, »der schwierigste Schritt für Johannes, denn der Herr hatte einen Stil, den er sich so nicht vorgestellt hatte, so dass er im Gefängnis« – wo er von Herodes Antipas eingesperrt worden war, »nicht nur die Finsternis der Zelle, sondern die Finsternis seines Herzens erlitt«. Ihn überkamen Zweifel: »Ist er es denn tatsächlich? Habe ich mich nicht geirrt?« Er trug sogar – erinnerte der Papst – seinen Jüngern auf, zu Jesus zu gehen, um ihn zu fragen: »Bist du es wirklich oder sollen wir auf einen anderen warten?«

Der Bischof von Rom betonte: »Johannes erlitt eine zweifache Demütigung: die Demütigung seines Todes, als Preis aus einer Laune heraus«, aber auch die Demütigung des Nichterkennens »der Heilsgeschichte: die Demütigung der Finsternis der Seele«. Dieser Mann, der »den Herrn verkündigt hatte, der nach ihm kommen würde«, der »gesehen hatte, dass er ihm voraus war«, der »ihn erwartet, ihn erkannt hatte«, sieht jetzt, dass »Jesus fern ist. Jene Verheißung hat sich entfernt. Und er endet allein, in der Finsternis, in der Demütigung«. Nicht weil er das Leiden liebte, sondern »weil er selbst verschwunden ist, damit der Herr wachsen kann«. Er endete »gedemütigt, aber mit Frieden im Herzen«.

Abschließend sagte Franziskus: »Es ist ein schöner Gedanke, dass die Berufung des Christen so ist«. Denn »ein Christ verkündigt nicht sich selbst, er verkündigt einen anderen, bereitet einem anderen den Weg: dem Herrn«. Außerdem »muss er erkennen können, muss er wissen, wie man die Wahrheit unterscheidet von dem, was Wahrheit zu sein scheint und es nicht ist: ein Mensch der Erkenntnis«. Und letztlich »muss er ein Mensch sein, der es versteht, sich zu erniedrigen, damit der Herr wachsen kann, im Herzen und in der Seele der anderen.

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16. Dezember 2019

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