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Begegnungen mit einem Laien

Der Band, den Dominique Wolton zusammen mit dem Papst verfasst hat und der am 6. September mit einem gleichermaßen schlichten wie treffenden Titel erschienen ist (Politique et société, Paris, Éditions de l’Observatoire, 2017, 421 S., EUR 21), ist hochinteressant. Man würde ihm nicht gerecht werden, wenn man ihn nur als einen Interviewband bezeichnen wollte, und in der Tat steht auf dem Frontispiz zu lesen, dass es sich vielmehr um »Begegnungen« handle, auch wenn offenkundig zwei Drittel des sehr gut geschriebenen langen Textes von den Fragen des französischen Wissenschaftlers, vor allem aber von den Antworten des Papstes eingenommen werden, denen eine wirkungsträchtige Einführung sowie lange Auszüge aus Ansprachen des Papstes beigefügt wurden.

Wir haben es also mit einem wichtigen Buch zu tun, das innerhalb des Genres der päpstlichen Interviews einen besonderen Platz einnimmt, so bemerkenswert und obligatorisch die anderen auch sein mögen, die oft in Bänden gesammelt erschienen, die oft zu Bestsellern wurden. Es steht in einer Tradition, die vor mittlerweile einem halben Jahrhundert entstand und derer sich Bergoglio mit viel Weitblick und Scharfsinn bereits seit der Zeit bedient, als er noch Erzbischof von Buenos Aires war, der Zeit, als der wichtige Gesprächsband entstand, den er zusammen mit Sergio Rubín und Francesca Ambrogetti verfasste [auf Deutsch erschienen unter dem Titel Mein Leben, mein Weg. El Jesuita. Die Gespräche mit Jorge Mario Bergoglio von Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti, Herder, 2013].

In der Tat erinnert Woltons Text eher an die Präzedenzfälle der Bücher von Jean Guitton und André Frossard, die Gespräche mit Paul VI. und Johannes Paul II. führten, zwei Gesprächspartner also, die nicht in erster Linie Journalisten und, ganz wie Wolton, auch ihrerseits Franzosen waren. Es ist vielleicht also kein Zufall, dass die Begegnungen dieser drei Päpste mit Vertretern der Welt der Kultur erfolgten, die gewiss untereinander ebenso verschieden sind wie es die Päpste waren, die sich mit ihnen unterhalten haben, die aber alle drei aus einem Land kommen, das auf eine bedeutende christliche Tradition zurückschauen kann – eine Tradition, die nach wie vor höchst lebendig und intelligent ist –, die zugleich aber auch laisiert und säkularisiert ist.

Auch Wolton, ein maßgeblicher Soziologe, dessen Spezialgebiet die Kommunikation ist und der anderen bedeutenden Persönlichkeiten begegnet ist (darunter Raymond Aron, Jean-Marie Lustiger, Jacques Delors), mit denen er vergleichbare Bücher verfasst hat, ist Laie. »Warum ein Dialog? Weil er gestattet, sich dem anderen gegenüber zu öffnen, zu argumentieren und den Leser daran teilhaben zu lassen. Der Dialog verleiht der Kommunikation unter Menschen einen Sinn, der über seine Verwirklichung und die Genzen, die die Technik setzt, hinausgeht«, so schreibt der Wissenschaftler in seiner Einführung zu Politique et société. Und der 2015 gemachte Vorschlag, diesen Dialog zu führen, stieß bei Franziskus auf Interesse.

So kam es also zu diesem Buch, das nach und nach auch dank eines so hervorragenden Dolmetschers wie Louis de Romanet in zwölf Begegnungen entstand, die in der Zeit vom Februar 2016 bis zum Februar 2017 stattfanden und die schließlich um zwei weitere Arbeitssitzungen ergänzt wurden, die der Schlussredaktion des Textes dienten. Das Buch, das dem Papst am vergangenen 28. August präsentiert wurde, ist in acht Kapitel untergliedert – Krieg und Frieden; Religionen und Politik; Europa und die kulturellen Unterschiede; Kultur und Kommunikation; Alterität, Zeit und Freude; die Barmherzigkeit; die Tradition; ein Schicksal – und es endet mit der Gestalt Begoglios. Themen, die mit einer alles andere als banalen Aufmerksamkeit gegenüber den politischen und sozialen Fragen unserer Zeit behandelt wurden. Das Buch, das in dem von Muriel Beyer geleiteten Pariser Verlag erschienen ist, wurde am 1. September von Jean-Marie Guénois in »Le Figaro« angekündigt und rezensiert. Unter anderem auch mit einem mit Wolton geführten Interview, das wir [in der italienischen Tagesausgabe des Osservatore Romano] in vollem Wortlaut abdrucken.

Von Giovanni Maria Vian

Druckausgabe

 

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16. Dezember 2017

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