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Ausgegrenzt, jedoch gerettet

· Messe in Santa Marta ·

Gott findet und rettet uns gerade auf dem Weg der Ausgrenzung. Daran erinnerte Papst Franziskus im Verlauf der Frühmesse, die er am Montag, 24. März, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte und deren Predigt einen intensiven Aufruf zur Demut enthielt.

Um zu erläutern, was es heiße, »ausgegrenzt« zu sein, um gerettet zu werden, verwies der Papst auf die Schriftlesungen zum Tage, die aus zwei besonders vielsagenden Textstellen bestanden, die dem 2. Buch der Könige (5,1-15a) und dem Lukasevangelium (4,24-30) entnommen waren. In dem neutestamentarischen Text, so merkte der Heilige Vater an, bekräftige Jesus, dass er in seiner Heimat Nazaret »aus Mangel an Glauben« keine Wunder tun könne: gerade da, wo er aufgewachsen sei, »hatten sie keinen Glauben«. Die genauen Worte Jesu, so fügte er hinzu, lauteten: »Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt«. Und er erinnerte dann an die Geschichte des Syrers Naaman mit dem Propheten Elischa, die Gegenstand der ersten Schriftlesung war, und an jene der Witwe aus Sidon mit dem Propheten Elija.

»Zu jener Zeit waren die Aussätzigen und die Witwen ausgegrenzt«, betonte der Papst. Vor allem »die Witwen lebten von öffentlichen Almosen, sie hatten nichts mit dem normalen Leben der Gesellschaft zu tun«, während die Aussätzigen außerhalb leben mussten, fernab vom Volk.

So berichte das Evangelium, dass Jesus in der Synagoge von Nazaret »sagt, dass hier kein Wunder geschehen werde: ihr hier erkennt den Propheten nicht an, weil ihr ihn nicht braucht, ihr seid allzu selbstsicher«. In der Tat fühlten sich die Menschen, die Jesus vor sich hatte, »sehr sicher in ihrem ›Glauben‹ (in Anführungszeichen), so selbstsicher in ihrer Beachtung der Gebote, dass sie meinten, keines anderen Heils zu bedürfen«. Dies sei eine Einstellung, die, wie der Papst erläuterte, »die Tragödie der Beachtung der Gebote« offenbare, »die nicht mit dem Glauben einhergehe: ich rette mich selbst, denn ich gehe jeden Samstag in die Synagoge, ich versuche, die Gebote zu befolgen«; und »dass ja dieser da nicht herkomme, um mir zu sagen, dass dieser Aussätzige und diese Witwe besser seien als ich, diese Ausgegrenzten da!«

Aber das Wort Jesu ziele in die entgegen gesetzte Richtung. Er sage: Schau, wenn du dich nicht ausgegrenzt fühlst, wird dir keine Erlösung zuteil! Das ist die Demut, der Weg der Demut: sich so ausgegrenzt fühlen«, dass man »der Erlösung durch den Herrn bedarf. Und er allein rettet; nicht unsere Beachtung der Vorschriften«.

Diese Lehre Jesu sagte aber, wie bei Lukas zu lesen steht, der Bevölkerung von Nazaret überhaupt nicht zu, so dass »sie wütend wurden und ihn töten wollten«. Es sei »dieselbe Wut«, die, wie das Alte Testament berichte, auch Naaman den Syrer ergriffen habe. Um vom Aussatz geheilt zu werden, so erläuterte der Bischof von Rom, gehe Naaman »mit vielen Geschenken zum König, mit sehr viel Reichtum: er fühlt sich sicher, er ist der Kommandeur des Heeres«. Aber der Prophet Elischa fordere ihn dazu auf, sich auszugrenzen und »sieben mal« im Fluss Jordan zu baden. So oft, dass Naaman »sich gedemütigt fühlte, sich entrüstet hat und gegangen ist«, gerade so wie »die Leute in der Synagoge von Nazaret«. Die Heilige Schrift, so merkte der Papst an, bediene sich in beiden Fällen desselben Verbs: sich entrüsten.

Also werde Naaman dazu aufgefordert, »eine Geste der Demut zu vollbringen, zu gehorchen wie ein Kind: eine lächerliche Figur abzugeben!« Aber er reagiere, wie gesagt, voller Entrüstung: »Wir haben in Damaskus viele schöne Flüsse, wie etwa den Abana und den Parpar, und ich soll hingehen und siebenmal in diesem Flüsschen waschen? Da stimmt doch etwas nicht!« Aber dann sind es seine Mitarbeiter, die ihm mit gutem Menschenverstand »dabei geholfen haben, sich auszugrenzen, einen Akt der Demut zu vollziehen«. Und Naaman sei aus dem Fluss herausgestiegen als ein von der Lepra geheilter Mann.

Gerade das, so betonte der Papst, sei »die heutige Botschaft, in dieser dritten Woche der Fastenzeit: wenn wir gerettet werden wollen, dann müssen wir den Weg der Demut, der Demütigung wählen«. Dafür stehe auch das Zeugnis der Maria, die »in ihrem Magnifikat nicht etwa sagt, dass sie sich freue, weil Gott ihre Jungfräulichkeit, ihre Güte, ihre Zartheit, all die vielen Tugenden angeschaut habe, die sie besaß, sondern sie juble, »weil der Herr auf die Niedrigkeit seiner Magd, auf ihre Kleinheit geschaut hat«. Genau das sei »die Demut, auf die der Herr schaut«.

So müssten auch wir, so bekräftigte der Papst, »diese Weisheit der Ausgegrenzten erlernen, damit uns der Herr finden kann«. In der Tat »findet uns« Gott »nicht inmitten unserer Gewissheiten. Nein, dorthin geht der Herr nicht! Er findet uns in der Ausgegrenztheit, in unseren Sünden, in unseren Fehlern, in unserem Bedürfnis, geistlich geheilt zu werden, gerettet zu werden. Dort ist es, dass uns der Herr findet«.

Das, so führte er noch weiter aus, »ist der Weg der Demut. Die christliche Demut ist keine Tugend«, die uns sagen lasse: »Ich bin zu nichts nutz« und die uns so gestatte, unsere »Hochmut zu verbergen«; vielmehr »besteht die christliche Demut darin, die Wahrheit zu sagen: Ich bin ein Sünder, ich bin eine Sünderin!« Im Grunde handle es sich schlicht und einfach darum, »die Wahrheit zu sagen; und das ist unsere Wahrheit«. Aber, so schloss der Papst, es gebe auch »die andere Wahrheit: Gott rettet uns! Aber er rettet uns dort, wenn wir ausgegrenzt sind. Unsere Sicherheit wird uns nicht retten«. Daher bedürfe es des Gebets zu Gott, damit er uns »die Gnade gewähre, diese Weisheit zu haben, uns auszugrenzen; die Gnade der Demut, um die Erlösung des Herrn zu erlangen.«

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19. Dezember 2018

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