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Aus den tiefsten Niederungen

· ​Messe in Santa Marta ·

In seiner Barmherzigkeit erwählt Jesus die Apostel auch »aus dem Schlechtesten« aus, aus den Sündern und Korrupten. Doch obliegt ihnen, »das Gedächtnis an diese Barmherzigkeit« zu bewahren und sich zu entsinnen, »von woher sie gewählt wurden«, ohne es sich zu Kopfe steigen zu lassen oder zu denken, eine Karriere als Funktionäre, als Organisatoren von Pastoralplänen und Geschäftemacher zu machen. Das konkrete Zeugnis der Umkehr des Matthäus ist es, was Papst Franziskus bei der Feier der Messe in Santa Marta am Freitag, 21. September, am Festtag des Apostels und Evangelisten, in Erinnerung rief.

»Im Tagesgebet haben wir zum Herrn gebetet und gesagt, dass sein Plan der Barmherzigkeit Matthäus auserwählte, den Zöllner, um ihn zum Apostel zu machen«, erklärte der Papst sofort, der als Leseschlüssel auf »drei Worte« verwies: »Plan der Barmherzigkeit, erwählt – wählen, berufen«.

»Als er wegging«, erklärte Franziskus und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem Matthäusevangelium (9,9-13), »sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: ›Folge mir nach!‹Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach. Er war ein Zöllner, also ein Korrupter, da er für Geld seine Heimat verriet. Ein Verräter seines Volkes: das Übelste«.

Tatsächlich könne jemand den Einwand erheben, dass »Jesus bei der Wahl seiner Leute keine gute Hand hatte«: »warum hat er unter vielen anderen« ausgerechnet diesen Menschen »übelster Herkunft, aus dem Nichts, vom am meisten verachteten Platz gewählt?« Im Übrigen, erklärte der Papst, habe der Herr auf dieselbe Weise »die Samariterin gewählt, damit sie hingehe und verkünde, dass er der Messias sei: eine vom Volk verworfene Frau, da sie nicht gerade eine Heilige war; und er hat viele andere Sünder gewählt und sie zu Aposteln berufen«. Und dann, fügte er hinzu, »im Leben der Kirche sind viele Christen, viele Heilige aus den tiefsten Niederungen erwählt worden«.

Franziskus rief in Erinnerung, dass »dieses Bewusstsein, das wir Christen haben sollten – von woher wurde ich erwählt, um Christ zu sein –, für das ganze Leben andauern muss, es muss dort bleiben und sich unserer Sünden entsinnen, das Gedächtnis, dass der Herr sich meiner Sünden erbarmte und mich wählte, um Christ zu sein, um Apostel zu sein«.

Also: »der Herr wählt«. Das Tagesgebet sei klar: »Herr, der du den Zöllner Matthäus gewählt und zum Apostel berufen hast«, das heiße, so unterstrich er erneut, » vom schlechtesten Platz aus zum höchsten«. Als Antwort auf diese Berufung – »was machte da Matthäus? Legte er luxuriöse Kleider an? Hier kommandiere ich? Nein. Begann er, zu sagen: ›Ich bin der Fürst der Apostel bei euch, bei den Aposteln‹? Hier kommandiere ich? Nein! Er arbeitete sein ganzes Leben lang für das Evangelium, mit wie viel Geduld schrieb er doch das Evangelium auf Aramäisch«. Matthäus »war es immer gegenwärtig, von woher er gewählt wurde: aus den tiefsten Niederungen«.

Tatsachlich sei es so, erklärte der Papst: »Wenn der Apostel seine Herkunft vergisst und beginnt, Karriere zu machen, entfernt er sich vom Herrn und wird zum Funktionär; was er vielleicht auch sehr gut macht, aber er ist dann kein Apostel mehr«. Und so »wird er unfähig sein, Jesus weiterzugeben; er wird einer sein, der Pastoralpläne organisiert, viele Dinge; doch am Ende – ein Geschäftemacher, ein Geschäftemacher des Reiches Gottes, weil er vergessen hat, von woher er erwählt worden war«.

Aus diesem Grund sei es wichtig, so erklärte Franziskus, »immer das Gedächtnis an unsere Ursprünge« zu bewahren, »an den Platz, an dem der Herr auf mich schaute; jene Faszination des Blickes des Herrn, der mich berufen hat, Christ zu sein, Apostel zu sein. Dieses Gedächtnis muss das Leben des Apostels und eines jeden Christen begleiten«.

»Wir sind es nämlich immer gewohnt, auf die Sünden der anderen zu blicken: schau, schau den da, schau dir den anderen an«, fuhr der Papst fort. Dagegen »sagte uns Jesus: ›Bitte, schau nicht auf den Splitter im Auge des anderen; achte darauf, was du im Herzen hast‹«. Doch »es ist unterhaltsamer, schlecht über die anderen zu reden: es hat den Anschein, dass das etwas Wunderschönes sei«. Das gehe so weit, dass das »schlechte Reden über die anderen« ein wenig »wie Honigbonbons« zu sein scheine, »die sehr gut sind: man nimmt eines, das ist gut; dann zwei, und sie sind gut; drei… wenn du ein halbes Kilo nimmst, dann bekommst du Bauchweh und es geht dir schlecht«.

Der Papst empfahl hingegen: »Sprich schlecht über dich selbst, klage dich selbst an und erinnere dich an deine Sünden, erinnere dich daran, von woher dich der Herr gewählt hat. Du wurdest gewählt. Er hat dich bei der Hand genommen und er hat dich hierher gebracht. Als der Herr dich wählte, hat er dies nicht nur zur Hälfte getan: er hat dich für etwas Großes gewählt, für immer«.

»Christ zu sein ist etwas Großes, etwas Schönes«, so der Papst: »wir sind es, die wir uns entfernen und auf halbem Weg stehen bleiben wollen, weil dieser sehr schwierig ist; und mit dem Herrn zu verhandeln«, indem wir sagen: »Herr, nein, nur bis hierher«… Doch »der Herr ist geduldig, der Herr versteht es, die Dinge zu tolerieren, er ist geduldig, er erwartet uns. Doch uns fehlt die Großherzigkeit: nicht ihm. Er holt dich immer aus den tiefsten Niederungen und bringt dich hin zum Höchsten. So tat er es mit Matthäus und so tat er es mit uns allen und wird es weiter tun«.

In Bezug auf den Apostel erklärte der Papst, wie dieser »etwas Starkes, sehr Starkes verspürte, was so weit ging, dass er auf dem Tisch die Liebe seines Lebens zurückließ: das Geld«. Matthäus »ließ die Korruption seines Herzens zurück, um Jesus nachzufolgen. Der Blick Jesu bedeutete ihm, mit Stärke: ›Folge mir!‹ Und er verließ alles«, obwohl er »sehr am Geld gehangen» habe. »Und gewiss – zu der Zeit gab es kein Telefon – wird er jemanden geschickt haben, um seinen Freunden, denen von seinem Klüngel, den Zöllnern ausrichten zu lassen: ›Kommt zu mir zum Essen, weil ich ein Fest für den Meister feiern werde‹«.

Wie also der Abschnitt aus dem Evangelium berichte, »saßen alle bei Tisch: Der Abschaum der Gesellschaft jener Zeit. Und Jesus zusammen mit ihnen. Jesus ist in jenem Moment nicht mit den Gerechten zum Essen gegangen, mit denen, die sich gerecht fühlten, mit den Gesetzeslehrern. Einmal, zweimal ist er auch zusammen mit letzteren gewesen, doch in jenem Augenblick ging er mit ihnen, mit jenem Zusammenschluss von Zöllnern«.

Und siehe an, fuhr Franziskus fort, »die Gesetzeslehrer empörten sich. Sie riefen die Jünger und sagten: ›Nun, wie kommt es, dass dein Meister das tut mit diesen Leuten? Da wird er doch unrein!‹: denn zusammen mit einem Unreinen zu essen steckt dich an, du bist nicht mehr rein«. Als Jesus dies höre, »ergreift er selbst das Wort und sagt dieses dritte Wort: ›Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, keine Opfer!‹« Denn »die Barmherzigkeit Gottes sucht alle, vergibt allen. Er fordert von dir nur, dass du sagst: ›Ja, hilf mir!‹ Nur das«.

»Als die Apostel unter die Sünder gingen – denken wir an Paulus in der Gemeinde von Korinth – ,da empörten sich einige«, erklärte der Papst. Sie sagten: »Aber warum geht er zu diesen Leuten, die Heiden sind, die Sünder sind, warum geht er da hin?« Die Antwort Jesu sei klar: »Nicht die Gesunden sind es, die des Arztes bedürfen, sondern die Kranken: ›Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer‹«.

»Matthäus erwählt! Es ist immer Jesus, der erwählt «, so der Papst mit Nachdruck. Der Herr wähle »durch Menschen, durch Situationen oder direkt«. Matthäus sei »zum Apostel berufen worden: Wer in der Kirche beruft und die Sendung verleiht, ist Jesus. Der Apostel Matthäus und viele andere erinnerten sich ihrer Herkunft: Sünder, Korrupte. Und das warum? Aufgrund der Barmherzigkeit. Aufgrund des Planes der Barmherzigkeit«.

Franziskus erkannte an: »Die Barmherzigkeit des Herrn zu begreifen ist ein Geheimnis; aber das größte Geheimnis, das schönste: sie ist das Herz Gottes. Wenn du zum Herzen Gottes vordringen willst, denn schlag den Weg der Barmherzigkeit ein und lass dich voll Barmherzigkeit behandeln«. Genau dies sei die Geschichte des »Matthäus, der am Zoll der Geldwechsler gewählt wurde, wo die Steuern zu entrichten waren. Gewählt aus der Niederung. Berufen zum höchsten Platz. Warum? Aus Barmherzigkeit«. Aus dieser Perspektive, so der Papst abschließend, »lernen wir, was es heißt: ›Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer‹«.

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