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Auf dem Weg der Armut

· ​Messe in Santa Marta ·

Mit einem Gebet für Kardinal Ernest Simoni am Tag seines neunzigsten Geburtstages begann Papst Franziskus am Donnerstagmorgen, 18. Oktober, die Feier der Messe in Santa Marta. Der albanische Kardinal, der in der Weihnachtsnacht 1963 festgenommen und erst 1990 nach einem mit Zwangsarbeit verbrachten Leben befreit wurde, wurde vom Kardinalerzbischof von Florenz, Giuseppe Betori, begleitet. Und an Kardinal Simoni wandte sich der Papst während der Predigt und erinnerte an die Verfolgung, der er zum Opfer gefallen war, weil er Christ war. Aber die Verfolgungen, so bekräftigte der Papst mit Nachdruck, fänden auch heute noch statt, und auch auf der Bischofssynode seien heldenhafte Zeugnisse von jungen Menschen vorgetragen worden, die dem Evangelium bis zum Martyrium treu gewesen waren.

Franziskus wies zu Beginn der Predigt sofort darauf hin, dass »wir im Tagesgebet sahen, dass der Herr durch den heiligen Lukas«, dessen Festtag heute gefeiert werde, »seine Vorliebe für die Armen offenbaren wollte«. Und das »wissen wir dank der Schriften des heiligen Lukas: seinem Evangelium und der Apostelgeschichte«.

Gerade der Abschnitt aus dem Lukasevangelium (10,1-9), den heute die Liturgie unterbreite, weise darauf hin: »Als der Herr seine zweiundsiebzig Jünger aussendet, sendet er sie ›in Armut‹ aus, er gibt ihnen Ratschläge zur Armut«. Es sei »die Armut des Jüngers: der Weg des Jüngers, der Herr will, dass dieser Weg arm sei«.

Wenn ein Jünger am Geld hänge, an Reichtümern, dann »ist er kein wahrer Jünger«, betonte der Papst erneut, der daran erinnerte, dass »es drei Wege gibt, drei Wege, um die Armut im Leben der Jünger zu leben, verschiedene Formen der Armut, drei Stufen – können wir sagen – von unterschiedlicher Armut«.

»Die erste Armut ist: losgelöst sein vom Geld, vom Reichtum«. Als er die Jünger aussende, rate Jesus ihnen: »Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe«, er sage: »Geht mit dem Minimum, um zu verkünden«. Und, fügte der Papst hinzu, »wenn man in der apostolischen Arbeit Strukturen oder Organisationen braucht, die ein Zeichen des Reichtums zu sein scheinen, dann gebraucht sie gut«. Aber immer »mit Abstand«. Kurz gesagt, es brauche dafür »das arme Herz«. In der Tat »ist die Voraussetzung dafür, den Weg der Jüngerschaft aufzunehmen, die Armut«.

In diesem Zusammenhang lud Franziskus ein, »an jenen jungen Mann zu denken, der so gut war, dass er das Herz Jesu bewegte«. Jener junge Mann »konnte ihm nicht folgen, weil er so viele Reichtümer hatte und sein Herz an den Reichtum gebunden war«. Wenn du aber, so sagte der Papst, »dem Herrn folgen willst, so wähle den Weg der Armut«, und wenn man Reichtümer habe, dann sei dies deshalb der Fall, weil »der Herr sie dir gegeben hat, um anderen zu dienen«. Aber »dein Herz« müsse davon »losgelöst« sein. Darüber hinaus betonte der Papst: »Der Jünger darf keine Angst vor der Armut haben, sondern er muss arm sein: das ist eine der verschiedenen Formen von Armut, die der Herr von seinen Jüngern fordert«.

Dann sagte Franziskus in Fortsetzung seiner Betrachtungen: »Es gibt noch eine andere Form der Armut«, die wir in den Worten Jesu selbst erkennen könnten: »Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe«. Es sei dies »die Armut der Verfolgungen, die Jünger des Herrn, die wegen des Evangeliums verfolgt werden. Noch heute gibt es viele, viele, die verleumdet werden«.

In diesem Zusammenhang berichtete der Papst: »Gestern, in der Synodenaula, erzählte ein Bischof aus einem dieser Länder, wo Verfolgung stattfindet, von einem katholischen Jungen, der von einer Gruppe von Jungen gefangengenommen wurde, die die Kirche hassten, Fundamentalisten; er wurde geschlagen und dann in eine Zisterne geworfen, und sie warfen Schlamm hinein, und am Ende, als der Schlamm seinen Hals erreichte«, hätten sie von ihm gefordert: »Sage, zum letzten Mal: Verzichtest du auf Jesus Christus?« Und er: »Nein!« So »warfen sie einen Stein und töteten ihn«. Und »wir haben es alle gehört. Und das ist nicht aus den ersten Jahrhunderten: das ist vor zwei Monaten geschehen!« Und »es ist ein Beispiel«, bekräftigte Franziskus; »aber wie viele Christen leiden heute unter physischer Verfolgung: ›Oh, der da hat gelästert! An den Galgen!‹ Genau so ist es. Lange andauernde Verfolgungen, und unser neunzigjähriger Bruder wird uns vieles erzählen können«, fügte der Papst hinzu und bezog sich dabei auf Kardinal Simoni.

»Doch es gibt andere Verfolgungen«, fuhr der Papst fort. Angefangen bei der »Verfolgung durch die Verleumdungen, die Gerüchte, und der Christ schweigt, er toleriert diese ›Armut‹«. Ja, fügte er hinzu, »manchmal ist es notwendig, sich selbst zu verteidigen, um keinen Skandal zu erregen«. Es gebe »kleine Verfolgungen in der Nachbarschaft, in der Pfarrei: klein, aber sie sind der Beweis einer Armut«. Und »es ist die zweite Art der Armut, die der Herr von uns verlangt; die erste, den Reichtum verlassen, nicht mit dem Herzen an den Reichtum gebunden sein; die zweite, demütig Verfolgungen annehmen, Verfolgung dulden. Das ist eine Armut«.

Franziskus erklärte dann, dass es auch einen »dritten Weg« gebe, auf den die erste Lesung der heutigen Liturgie aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus verweise (4, 10-17). Es handle sich, erklärte er, um »die Armut der Einsamkeit, der Verlassenheit: wenn der Jünger, der so stark hinausging, um den Herrn zu verkünden, auch Verfolgungen erduldet hat, sich am Ende seines Lebens verlassen fühlt: von allen verlassen«. Und »diese Stelle aus Paulus, des großen Paulus, der vor nichts Angst hatte, ist ein Beispiel für diese Armut«.

Das führe dazu, so sagte der Papst, dass Paulus » an seinen Sohn schreibt – den Sohn der Seele –, an Timotheus, den Bischof: ›Mein Sohn, Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalonich gegangen, Crescens ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Lukas ist als Einziger bei mir. Nimm Markus und bring ihn mit; denn er ist für mich nützlich zum Dienst. Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt. Wenn du kommst, bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe, auch die Bücher, vor allem die Pergamente! Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan; der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen. Nimm auch du dich vor ihm in Acht, denn er hat sich unseren Worten heftig widersetzt! Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft‹«.

»Die Verlassenheit des Jüngers: von diesem Jungen von siebzehn, achtzehn, zwanzig Jahren«, sagte Franziskus, »der mit so viel Begeisterung die Reichtümer aufgibt, um Jesus nachzufolgen; von dem Mädchen, das dasselbe tut und dann mit Standhaftigkeit und Loyalität Verleumdungen, tägliche Verfolgungen, Eifersucht, sogar die kleinen oder die großen Verfolgungen duldet, kann der Herr am Ende das fordern: jene Einsamkeit des Endes«.

»Ich denke an den größten Menschen der Menschheit, und diese Qualifikation kommt aus dem Munde Jesu: an Johannes den Täufer. Der größte Mensch, der aus einer Frau geboren wurde«, sagte der Papst. Johannes – »ein großer Prediger: die Leute kamen zu ihm, um sich taufen zu lassen. Was war sein Ende? Allein, im Gefängnis. Stellt euch vor, was eine Zelle ist und was die Zellen jener Zeit waren, denn wenn die heutigen so sind, dann stellt euch jene von damals vor«. Und Johannes ende »allein, vergessen, abgeschlachtet aufgrund der Schwäche eines Königs, des Hasses einer Ehebrecherin und der Laune eines Mädchens: so endete der größte Mensch der Geschichte«.

Doch »schweifen wir gar nicht so weit in die Ferne«, fuhr der Papst fort: »In den Pflegeheimen, wo es Priester oder Schwestern gibt, die ihr Leben für die Verkündigung aufgewandt haben, fühlen sie sich viele Male allein, allein mit dem Herrn: niemand erinnert sich an sie«. Und »diese dritte Form der Armut verhieß Jesus dem Petrus: Als du ein Junge warst, gingst du dahin, wohin du wolltest; wenn du alt sein wirst, werden sie dich dahin bringen, wohin du nicht willst«.

»Die Armut als Weg des Jüngers«, bekräftigte der Papst. Ja, »der arme Jünger, weil sein Reichtum Jesus ist. Arm, weil er nicht an Reichtümer gebunden ist: der erste Schritt. Arm, weil er geduldig ist angesichts kleiner oder großer Verfolgungen: der zweite Schritt. Arm, weil er am Ende des Lebens in diesen Seelenzustand eintritt, der uns an den des Paulus erinnert: verlassen«. Und »der Weg Jesu, der mit diesem Gebet zum Vater endet: ›Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?‹«

»Möge uns diese Offenbarung der Vorliebe des Herrn für die Armut dabei helfen«, schloss Franziskus ab, »vorwärts zu gehen und für die Jünger zu beten, für alle Jünger, seien es Priester, Schwestern, Bischöfe, Päpste, Laien: für alle. Auf dass sie es verstehen, den Weg der Armut so zu gehen, wie der Herr es wünscht«.

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9. Dezember 2019

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