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​Appell an Europa

Wie die Reise des Papstes nach Lampedusa so spricht die Reise nach Lesbos zu allen, auch ohne Worte. Sie ist ein eindringlicher Appell an Europa und die Welt, den Blick nicht abzuwenden von den Gesichtern der Männer, Frauen und Kinder, die aufgrund von Krieg und Elend gezwungen sind, ihre Länder, ihr Zuhause, ihre Familien zu verlassen. Es sind vor allem Syrer, aber auch Iraker: Jesiden, Kurden, Christen unterschiedlicher Konfession, oft verzweifelt, von denen viele im Meer ertrunken sind. Wie das auch in anderen Teilen der Welt passiert, denn Migration ist ein globales Phänomen.

Der Besuch des Papstes auf der griechischen Insel, die sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat, ist ein einfaches und sehr starkes Zeichen. Wie auch die Aufnahme von zwölf syrischen Flüchtlingen unmissverständlich ist, die mit Franziskus den Rückflug nach Rom angetreten haben auf dieser Reise, die so anders ist. Anders, weil sie gezeichnet ist von der Trauer über die schlimmste menschliche Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Wenige Stunden sind zu einem Symbol geworden: Der Papst, der überall dazu beitragen will, Brücken zu bauen und Mauern niederzureißen, ist gekommen, um mit Männern, Frauen und Kindern zusammen zu sein, die nur Frieden und Freiheit suchen, Worte die beim Besuch im Flüchtlingslager von Moria immer wieder auf Englisch gerufen wurden.

Vielleicht ist keine Papstreise bis jetzt in so kurzer Zeit umgesetzt worden: weniger als ein Monat. Sich überkreuzend mit der Einladung des Patriarchen von Konstantinopel, der mit dem Erzbischof von Athen sowie anderen orthodoxen und katholischen Bischöfen nach Lesbos gekommen ist. Es ist ein neuer Schritt auf dem Weg zur Einheit, geprägt von jener Ökumene, die Bergoglio als Ökumene des Blutes bezeichnet hat, und die nun gemeinsam vorangeht mit jener Ökumene der Nächstenliebe. Das haben die Worte von Hieronymos, Bartholomaios und ihres Bruders Franziskus im Lager von Moria unterstrichen, wo sie sich lange aufhielten, um Hunderten von Flüchtlingen die Hand zu geben.

Während der Erzbischof den Wunsch ausgesprochen hat, dass von Lesbos eine globale Bewegung zugunsten der Flüchtlinge ausgehen möge, fand der Patriarch ernste und mahnende Worte: Die Welt wird gerichtet werden nach der Art und Weise, wie sie euch behandeln wird, rief er aus und erinnerte sogleich anschließend an die Opfer, begraben im Mittelmeer, das seine Berufung neu entdecken müsse, Ort der Begegnung zu sein. Wir sind hierhergekommen, »einfach um bei euch zu sein« und um die Aufmerksamkeit der Welt auf diese Krise zu lenken und ihre Lösung zu erflehen, »als Männer des Glaubens« und um »offen in eurem Namen [zu] sprechen«, unterstrich der Papst.

Der griechischen Bevölkerung, die trotz ihrer Schwierigkeiten den vielen Flüchtlingen ohne Unterschied von Ethnie oder Religion die Arme geöffnet hat, brachten die drei christlichen Bischöfe Dank und Bewunderung entgegen und äußerten in einer gemeinsamen Erklärung auch ihre Sorge über diese »massive Krise«, die sie als »Krise der Menschlichkeit« anprangerten. Gemeinsame »diplomatische, politische und karitative Initiativen« seien notwendig, damit Einzelne und Gemeinschaften »in ihren Heimatländern bleiben« können, und dringend notwendig sei auch die Beendigung des Krieges im Nahen Osten, der Millionen von Flüchtlingen verursacht hat, fast ein Drittel aller Einwohner Syriens.

Angesichts dieser Tragödie hat Europa die Pflicht, mit Menschlichkeit zu antworten. Die Sorgen der Institutionen und der Menschen seien verständlich und legitim, erklärte der Papst im Hafen von Lesbos, bevor er den zahllosen ertrunken Opfern die Ehre erwies. Aber man darf vor allem in »der Heimat der Menschenrechte« nicht vergessen, dass die Migranten Menschen sind und keine Nummern und dass diese Krise wirklich eine Chance sein kann, um jene erreichbare Realität wachsen zu lassen, die Paul VI. als »Zivilisation der Liebe« bezeichnet hat.

Giovanni Maria Vian

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8. Dezember 2019

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