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​Am Ufer eines kleines Flusses

· ​Restaurierung der »Galerie der Landkarten« in den Vatikanischen Museen abgeschlossen ·

Nach vierjährigen Restaurierungsarbeiten, an denen ungefähr zwanzig junge Fachleute unter der Leitung unseres Restaurators Francesco Prantera mitgewirkt haben, konnten wir am Nachmittag des 23. April das Ende der Arbeiten in der »Galerie der Landkarten« feiern, dem zur Sixtinischen Kapelle führenden Gang, der mitten in den Vatikanischen Museen liegt und alljährlich von sechs Millionen Besuchern durchquert wird.

Das Ereignis hatte einen sehr würdevollen Charakter, aber auch die Atmosphäre eines Festes. In der Tat galt es, die komplizierteste, anspruchvollste und auf dem neuesten Stand der Technik erfolgte Restaurierung zu feiern, die in den Vatikanischen Museen unter der Leitung von Arnold Nesselrath und dem Verfasser dieses Artikels in den letzten Jahren durchgeführt wurde. Aber es ging ebenso darum, in angemessener Weise der kalifornischen Ortsgruppe der Patrons of the Arts in the Vatican Museums zu danken, der Vereinigung amerikanischer Katholiken, die das Vorhaben mit zwei Millionen Euro finanziert hat.

Wer die wertvolle Rolle der wohltätigen internationalen Einrichtung der Patrons, geleitet mit weitsichtiger, pragmatischer Effizienz von P. Mark Haydu, verstehen möchte, der möge heute jenes Wunder in Blau und Grün betreten: die restaurierte »Galerie der Landkarten«. Er wird verstehen, dass es keine schönere Art und Weise geben konnte, um die eigene Treue zur Kirche von Rom und den Stolz des Katholischseins zu bezeugen, als diese großzügige amerikanische Spende an die künstlerische Schönheit, die der Vatikan jahrhundertelang gefördert hat und die die Museen des Papstes beherbergen und pflegen. Das erklärt, warum am Nachmittag des 23. April zur Besiegelung des erfolgreichen Abschlusses der Restaurierung neben den Patrons aus Kalifornien unter Leitung von Michael Scott Feeley und den an den Arbeiten beteiligten Restauratoren und Technikern auch Kardinal Giuseppe Bertello, Präsident des Governatorats anwesend war, der alle Gäste sowie die für den Publikumsverkehr geöffnete Galerie segnen wollte.

Man schrieb das Jahr 1581, als die »Galerie der Landkarten« eröffnet wurde. Es war im Pontifikat von Gregor XIII. Boncompagni aus Bologna, eines gelehrten und strengen Papstes der Gegenreformation, der die Kirche, die Wissenschaften, die Künste und Italien gleichermaßen liebte. Er ist der Papst der Kalenderreform, die heute noch seinen Namen trägt. Er lehrte römisches Recht an der Alma Mater von Bologna, als er in den Kardinalsstand erhoben und dann zum Papst gewählt wurde. An der Universität war der Mathematiker, Geograph und Kosmograph aus dem Dominikanerorden, Ignazio Danti, ebenso sein Kollege wie der Flame Van Ortel (Ortelius auf Latein), der fähigste und berühmteste Gelehrte Europas in Theorie und Praxis der kartographischen Darstellung. Vom Papst nach Rom gerufen (einem Universitätskollegen kann man nichts abschlagen), war es Ignazio Danti, der die vierzig Fresken mit den geographischen Karten plante. Sie bedecken die Wände der 120 Meter langen Galerie und wurden unter der Leitung von Girolamo Muziano von einem Malerteam ausgeführt, zu dem unter anderen Cesare Nebbia sowie die Brüder und Landschaftsmaler Paul und Mathias Bril gehörten.

Insgesamt vierzig Karten befinden sich an den beiden Längswänden sowie an Ein- und Ausgangswand. Dargestellt sind die Regionen Italiens mit den größeren (Sizilien, Sardinien, Korsika) und kleineren (Tremetis, Elba, aber auch Malta und Korfu) Inseln. Sie sind aus der Vogelperspektive und in von Region zu Region variierendem Maßstab dargestellt. Die vier größten Hafenstädte (Genua, Venedig, Civitavecchia und Ancona) befinden sich an der Eingangswand (ursprünglich der Ausgang) sowie am Beginn des Ganges und werden ergänzt von je einer kartographischen Darstellung des antiken und des zeitgenössischen Italien.

In der Ausgangswand (heute Eingang) findet der Besucher die Darstellungen der kleineren Inseln, aber auch ein bildliches Gedenken an jüngere militärische Ereignisse, die noch in lebendiger Erinnerung waren: die vergebliche Belagerung Maltas durch die Türken (1565) und die Schlacht von Lepanto (1571).

Ein Gang durch die »Galerie der Landkarten« (das Italien, das Papst Gregor XIII. liebte und besuchen wollte, ohne den Apostolischen Palast zu verlassen) ist alles andere als langweilig, denn jedes Tal, jeder Berg, jeder Fluss, jeder Bach ist erkennbar, jedes Dorf und gleichsam jede Pfarrei sind mit Namen bezeichnet. Jede größere Stadt ist als Plan in ihrem wahren »Porträt« dargestellt. So dass die italienischen Besucher sich staunend freuen, das Heimatdorf ihrer Familie mit unverändertem Namen in einer Talsohle oder am Ufer eines kleinen Flusses zu entdecken. Und dann ist da das Meer, das strahlend azurblaue italienische Meer, von leichten Wellen gekräuselt, lebendig und wie erzitternd unter dem Hauch temperamentvoller Winde, die die Segel von einzigartigen Schiffsformen blähen. Oben an der Decke wird Italien, der Garten der Kirche, von den Heiligen der verschiedenen Regionen beschützt.

Die Galerie Gregors XIII., die sich hoch oben zwischen dem Belvederehof und den Vatikanischen Gärten befindet (wunderschön, wenn in Frühjahr und Sommer das Rauschen und der Duft der Bäume und Gräser durch die geöffneten Fenster hereinkommt), gibt bereits eine moderne Vorstellung von Italien wider, eines Landes, das eine Einheit bildet, nicht durch die Politik, sondern durch Geschichte, Kultur und Religion.

»Italia totius orbis regio nobilissima«, erklärt Papst Gregor in der Inschrift zur Einweihung und meint mit dem Adjektiv »edel« all das, was Schönheit, Mannigfaltigkeit, Kunst, Kultur und Geschichte ist. Schönheit und Adel des historischen Italien, um die Papst Gregor XIII. wusste. Und wir haben die Pflicht, sie niemals zu vergessen! Die Großzügigkeit unserer Freunde aus Kalifornien erlaubt uns, dies in einer Weise zu verstehen, wie es nie zuvor möglich war.

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Von Antonio Paolucci

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12. Dezember 2018

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