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Am Anfang des Himmels

· Messe in Santa Marta ·

Ein Christ kann es sich nicht erlauben, »lau zu sein«: er hat eine ganz präzise Identität, die ihm vom Siegel des Heiligen Geistes aufgeprägt wurde. In der Frühmesse, die Papst Franziskus am Freitag, 17. Oktober, in der Kapelle von Santa Marta feierte, war wieder vom Anfang des Epheserbriefes und von den Christen die Rede, »die der Herr bereits vor der Erschaffung der Welt erwählt hat«. Unter den Anwesenden war auch Enzo Camerino, ein Überlebender der Schoah, der dem Papst bereits am 16. Oktober 2013, am 70. Jahrestag der Razzia im Ghetto von Rom, begegnet war.

»Der Herr«, so sagte der Papst in seiner Predigt unter Verweis auf die Worte des heiligen Paulus, »hat uns nicht nur erwählt«, sondern er hat uns auch eine Identität verliehen.« Und wir hätten, so sagte er, als Erbe nicht einfach nur einen Namen erhalten, »sondern eine Identität, einen Lebensstil, der keineswegs nur eine Liste von Angewohnheiten ist, sondern viel mehr: es ist eine richtige Identität.« Und wie seien wir so tief »geprägt« worden? Das schreibe der Apostel: »Ihr habt das Siegel des Heiligen Geistes empfangen.« Unsere Identität, so sagte der Bischof von Rom, »besteht gerade in diesem Siegel, in dieser Kraft des Heiligen Geistes, die wir alle in der Taufe empfangen haben.«

Und da der Heilige Geist, der uns von Jesus verheißen worden war, »unser Herz besiegelt hat« und, mehr noch, »mit uns geht«, verleihe er uns nicht nur unsere Identität, sondern »er ist auch eine Anzahlung auf unser künftiges Erbe. Mit Ihm beginnt der Himmel.« Daraus ergebe sich, dass der Christ zwar im irdischen Leben agiere, zugleich aber bereits in der Perspektive der »Ewigkeit« lebe. Papst Franziskus bekräftigte: »Wir halten mit diesem Siegel den Himmel bereits in unseren Händen.«

Aber das Alltagsleben sei voller Versuchungen, vor allem jener, »uns dieser Schönheit, die wir erhalten haben, nicht bewusst zu sein.« Wenn das geschähe, dann werde der Heilige Geist »traurig«, um einen paulinischen Ausdruck zu verwenden: dies geschähe, so betonte er, »wenn wir diese Identität – ich will nicht sagen: auslöschen wollen, sondern sie trüben wollen.«

Das sei der Fall beim »lauen Christen«, der zwar »sonntags in die Messe geht, dessen Identität jedoch in seinem Leben zu sehen ist«, einer, der, obwohl er Christ sei, im Grunde »wie ein Heide lebt.« Dann gebe es aber auch eine andere Gefahr, jene andere Sünde, »von der Jesus seinen Jüngern erzählte«, als er sie warnte: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.« Es komme vor, so erinnerte der Papst, dass man »vorgibt, Christen zu sein«, dass es aber beim Handeln an der »Durchsichtigkeit« fehle, dass man in seinen Worten etwas bekenne, aber de facto anders handle. »Und das«, so fügte er hinzu, »ist das, was die Schriftgelehrten machten«, das sei der »Sauerteig der Heuchelei«, den wir riskieren in uns gedeihen zu lassen.

Unsere Identität zu trüben und ihr in unseren Taten nicht treu zu bleiben, seien »die zwei Sünden gegen dieses Siegel«, das »ein schönes Geschenk Gottes ist, der Heilige Geist«. Es ist ein »Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, was uns verheißen wurde.« Wir könnten deshalb sagen, dass wir »den Himmel in Händen halten.«

Was also, so fragte sich der Papst, sei »das wahre Verhalten eines Christen?« Das könnten wir wiederum von Paulus lernen: »Die Frucht des Geistes, die sich aus unserer Identität ableitet, ist Liebe, Freude, Frieden, Großmut, Wohlwollen, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.« Das, so schloss Papst Franziskus, sei »unser Weg zum Himmel.«

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21. November 2019

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